Eine der bekanntesten Naja-Arten ist die Brillenschlange (Naja naja). Die Brillenschlange (Naja naja) gehört zu den gefährdeten Tierarten und steht unter Artenschutz. Früher gelistete Unterarten werden heute aufgrund von unterschiedlichen Merkmalen als eigene Arten geführt.
Urheber: Saleem Hameed
Vorkommen:
Das Verbreitungsgebiet der Brillenschlange (Naja naja) ist groß. Genaue Grenzen sind nicht bekannt. Sicher ist, dass sie von Sri Lanka bis Bangladesh und von Westpakistan bis Indien vorkommt. Dabei ist sie von 0 m bis zu mindestens 1800 m über dem Meeresspiegel anzutreffen. Die Brillenschlange (Naja naja) hat sich den verschiedensten Lebensräumen angepasst und ist im dichten Dschungel genauso zu finden wie in den kultivierten Bereichen von Ortschaften. Mit einer Vorliebe für Feuchtigkeit ausgestattet, ist sie dort häufig in der Nähe von Gewässern anzutreffen.
Lebensweise:
Brillenschlangen (Naja naja) sind überwiegend terrestisch (bodenbewohnend), werden aber auch schwimmend oder auf Bäumen und Büschen kletternd angetroffen. Diversen Berichten nach wurden sie sogar im offenen Meer gesichtet. Brillenschlangen sind überwiegend nachtaktiv und ziehen sich tagsüber in Schlupfwinkel wie z.B. Termitenhügel, Steinhaufen, Rattenlöcher, alte überwachsene Gebäude oder Kornspeicher zurück. Das Beuteschema der Brillenschlangen ist sehr umfangreich und besteht bei jüngeren Exemplaren überwiegend aus Insekten, Kröten, Eidechsen, kleinen Schlangen und Fröschen. Mit zunehmendem Alter kommen Vogeleier, Vögel, Mäuse, Ratten und sogar Warane und Fische als Beute in Frage. Wie alle Kobras (Naja) richtet sich die Schlange in Drohhaltung auf und spreizt ihr typisches Nackenschild. Je nach Gebiet legen Brillenschlangen zwischen Dezember und Februar 12 bis 30 Eier mit einer Größe von 49 mm x 28 mm. Dabei suchen sie einen geschützten Ort wie z.B. unter einem hohlen Baumstamm, in einem Rattenloch oder unter einem Termitenhügel, auf. In besonders geräumigen und sicheren Verstecken lassen sich oft mehrere Gelege verschiedener Weibchen finden. Die Weibchen bewachen ihr Gelege bis zum Schlüpfen der 25 cm bis 30 cm langen Jungtiere nach ca. 60 Tagen. Da die Giftdrüsen der Neugeschlüpften bereits voll entwickelt sind, ist ein Biß dieser kleinen Schlangen genauso gefährlich wie der einer erwachsenen (adulten) Brillenschlange.
Verhalten und Aussehen:
Brillenschlangen (Naja naja) erreichen eine Gesamtlänge von 150 cm bis 220 cm, in seltenen Fällen darüber. Sie haben einen flachen Kopf mit mittelgroßen Augen und runden Pupillen. Die Giftzähne stehen mit einer Länge von 7 mm senkrecht im Oberkiefer. Der Kopf einer Brillenschlange hat drei Hinteraugenschilder (Postocularia), ein Vorderaugenschild (Praeocularia) und sieben Oberlippenschilder (Supralabialia). Der Kopf geht fast übergangslos zum Hals über. Der Körper einer Brillenschlange (Naja naja) ist kräftig, rund und langgestreckt mit 176 – 200 Bauchschilder und 48 – 75 Schwanzschilder. Die Körperoberseite einer Brillenschlange ist braun bis schwarz. Ihre Unterseite gelblich bis schwarz. Die meisten Exemplare sind einfarbig, einige haben als Muster eine Querbänderung. Brillenschlangen (Naja naja) meiden im Regelfall den Menschen. Sieht sich die Schlange in die Ecke gedrängt, so stellt sie ihren Oberkörper auf und spreizt den Nacken in beeindruckender Weise zu einem Schild. Dabei kommt auf der Hinterseite deutlich ein Brillenmuster zum Vorschein. Diesem Muster verdankt die Schlange ihren Namen. Mit waagrechtem Kopf verharrt die Schlange und mustert ihren vermeintlichen Feind, jederzeit bereit durch ein blitzschnelles Vorwärtsschnellen ihres aufgerichteten Körpers zuzubeißen. Verharrt der Gegner regungslos, so beruhigt sich die Schlange. Die geringste Bewegung kann sie jederzeit und blitzschnell wieder in Alarmbereitschaft versetzen. Im Gegensatz zu anderen Schlangen zieht sich die Schlange nach einem Biss nicht zurück, sondern hält ihre Beute bis zum Eintritt der Regungslosigkeit fest. Das Beutetier wird mit dem Kopf voran verschlungen.
Gift:
Das Gift der Brillenschlange (Naja naja) wird für die Herstellung von Medikamenten, wie z. B. starke Schmerzmittel, aber auch zur Herstellung des Gegengiftes benötigt.
Die Brillenschlange (Naja naja) produziert ein Nervengift (Neurotoxin) in der Dosis von bis zu 211 mg Trockengewicht pro Biss. Das Gift verursacht Lähmungen, zerstört die roten Blutkörperchen, blockiert die Blutgerinnung und verursacht Nekrosen. Eine Menge von 15 mg bis 17 mg ist ausreichend, um einen Menschen von ca. 60 kg Gewicht zu töten. Dennoch ist die Anzahl derjenigen, die den Biss einer Brillenschlange überlebten höher als die Anzahl derjenigen, die daran starben. Die hauptsächliche Todesursache nach einem Biss ist die Lähmung des Atemzentrums, die meist nach 2 bis 6 Stunden oder sogar noch später eintritt.
Symptome:
Anfangs verspüren die Betroffenen einen starken, brennenden Schmerz an der Bisswunde. Dieser lässt nach einer Weile nach und es setzt eine sich ausbreitende Taubheit ein. Es kommt zu starken, sich ausbreitenden Schwellungen, die ebenfalls an der Wunde beginnen. In fortschreitendem Stadium erfolgt eine Lähmung der Gliedmaßen, der Nackenmuskulatur und der Zunge. Die Atmung flacht bis zur endgültigen Lähmung der Atemmuskulatur stetig ab. Der Tod tritt im Zustand der Besinnungslosigkeit ein.
Anmerkung:
Obwohl die Brillenschlange (Naja naja) unter Artenschutz steht, wird sie in Asien gejagt und getötet. In China gelten manche Schlangenteile als Hausmittel für verschiedene Krankheiten oder als Potenzmittel; in Indien wird aus der Schlangenhaut Leder produziert.

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