Kreuzotter (Vipera berus):
Die ältesten fossilen Funde sind ca. 20 Millionen Jahre alt und stammen aus Baden-Württemberg und der Schwäbischen Alb. Weitere Funde in Europa, aus Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien und Ost-England belegen die Existenz der Kreuzotter (Vipera berus) bereits vor ca. 11 – 5 Millionen Jahren.
Author: Zdeněk Fric
Die Kreuzotter (Vipera berus) wird in 3 Unterarten unterschieden:
- die Eurasische Kreuzotter (Vipera berus berus),
- die Balkan-Kreuzotter (Vipera berus bosniensis) und
- die Sachalin-Kreuzotter (Vipera berus sachalinensis).
Vorkommen:
Kaum eine andere Giftschlange verfügt über ein so enormes Verbreitungsgebiet wie die Kreuzotter (Vipera berus). Ihr Lebensraum erstreckt sich von Westfrankreich über das gemäßigte Europa und von der Insel Sachalin (Russland) bis hin nach Mittelasien. Die Kreuzotter (Vipera berus) hält sich am liebsten dort auf, wo rauhes Klima mit hohen Tag und Nacht Temperaturschwankungen, starken Niederschlägen und große Bodenfeuchtigkeit herrscht. Dabei fühlt sie sich im Gebirge ebenso wohl wie in Ebenen. In den Ebenen trifft man die Kreuzotter (Vipera berus) deshalb häufig in Moorgebieten und in der Heide an, im Gebirge in den Latschenregionen.
Lebensweise:
Die Kreuzotter (Vipera berus) gehört zu den bodenbewohnenden (terrestrischen) Schlangen. Sie meidet dichte Wälder und versteckt sich in Höhlen von Kleinsäugern, unter dichtem, niedrigem Gebüsch oder unter Steinen. Dabei ist die Kreuzotter (Vipera berus) standtreu und entfernt sich nie weit von ihrem Unterschlupf. Die Kreuzotter (Vipera berus) ist tagaktiv und sonnt sich morgens oder abends gerne an warmen Stellen. Die Nahrung der Jungtiere besteht aus Eidechsen und Fröschen, bei erwachsenen Tieren überwiegend aus Mäusen. Die Kreuzotter (Vipera berus) hält – je nach Kälteregion – einen Winterschlaf von vier bis maximal 8 Monaten. Die Paarung findet nach der Winterruhe zwischen April und Juni nach der 1. Häutung statt. Nach einer Tragezeit von zweieinhalb bis sechs Monaten bringt das Weibchen 5 bis 20 lebende Junge zur Welt, die eine Länge von 14 bis 23 cm aufweisen. Damit gehört die Kreuzotter (Vipera berus) zu den lebendgebärenden (ovoviviparen) Schlangen. Die Länge der Tragezeit hängt von der Temperatur und vom Lebensraum ab. Direkt nach der Geburt häuten sich die Neugeborenen und sind von da an auf sich selbst gestellt.
Verhalten und Aussehen:
Die Kreuzotter (Vipera berus) wird 60 bis 70 cm, maximal 80 cm lang und maximal 25, im Durchschnitt 10 bis 15 Jahre alt. Sie hat einen flachen, länglichen Kopf, dessen Oberseite mit großen, platten Schilden bedeckt ist. Der Kopf einer Kreuzotter (Vipera berus) verfügt über acht bis zehn Oberlippenschilder, 2 Oberaugenschilder und 1 Stirnschild. Zwischen dem Oberaugenschild und dem Stirnschild verläuft je eine Reihe von 2 bis 4 kleineren Schilden, die das Oberaugenschild vom Stirnschild trennt. Der Kopf geht fast übergangslos zum kräftigen Körper über, den in der Körpermitte 21 (manchmal auch 19 oder 23) Reihen gekielter Schuppen umgeben. Wie alle Schlangen, die zur Gattung der Vipern zählen, hat auch die Kreuzotter (Vipera berus) einen ungeteilten Afterschild. Die Anzahl der Bauchschilde und der Schwanzschilde sind je nachdem, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, unterschiedlich. Weibchen haben 137 bis 159 Bauchschilde und 23 bis 60 paarweise angeordnete Schwanzschilde. Männchen hingegen besitzen 136 bis 152 Bauchschilde und 32 bis 45 Schwanzschilde. Die Kreuzotter (Vipera berus) kommt in vielen Farben vor: glänzend schwarz, braun, rotbraun, kupferrot, gelblich, olivgrün, graublau und grau. Die Bauchseite kann gefleckt sein und ist schwarz, graubraun oder grau. Allen Kreuzottern (Vipera berus) gemeinsam ist die Rückenmusterung in Form eines unterschiedlich breiten Zickzackbandes. Lediglich bei den schwarzen Schlangen fehlt dieses Band oder ist nur sehr schwach zu erkennen. Extrem selten findet man Albino-Kreuzottern (Vipera berus) mit einem gelben Zickzackband und roten Augen oder einfarbig braune ohne Rückenmusterung. Das Zickzackband endet am Kopf in Form eines Kreuzes oder in Form eines X. An den Seiten sind rundliche Flecken in ca. gleichem Abstand zu erkennen. Die Augen, die bei Lichteinfall geschlitzt sind, werden durch ein dunkles Band mit dem Halsbereich verbunden. Die Kreuzotter (Vipera berus) ist sehr scheu und flieht bei Gefahr oder wenn sie sich gestört fühlt. Kommt man der Kreuzotter (Vipera berus) zu nahe, so warnt sie vorab durch lautes Zischen. Sieht die Kreuzotter (Vipera berus) keine Rückzugsmöglichkeit, versucht man sie zu berühren oder tritt man auf sie, beißt sie mit einem Vorwärtsschnellen ihres Oberkörpers zu.
Gift:
Wie bei allen Vipern wirkt das Gift der Kreuzotter (Vipera berus) überwiegend hämotoxisch, aber auch neurotoxisch. Hämotoxische Gifte zerstören das Gewebe und Blutzellen. Dies führt zu Nekrosen, inneren Blutungen und Schwellungen. Die Neurotoxine wirken auf die Nervensysteme und führen zu Lähmungen. Zu Todesfällen nach einem Biss kommt es jedoch so gut wie nie. Kreuzottern produzieren so wenig Gift, dass ein Biss höchstens Alten, Kindern oder Herz- und Kreislaufkranken gefährlich werden kann.
Symptome:
Die Anzeichen eines Bisses durch eine Kreuzotter (Vipera berus) äußern sich in Brechreiz, Muskel- und Gliederschmerzen, örtlichen Ödemen, bläulicher Hautverfärbung und Kreislaufstörungen.
